Das Smarthome mit intelligenten und vernetzten Systemen hält Einzug in Wohnbereichen. Auch Belüftungssysteme profitieren von den Vorteilen dieser Technik. Smarte Systeme automatisieren die Lüftung, sorgen für mehr Komfort und helfen dabei, die Energiekosten zu senken.
Die verschiedenen smarten Belüftungssysteme und ihr Funktionsprinzip
Es gibt eine Reihe von Optionen, wie eine smarte Lüftungsanlage in der Praxis umgesetzt wird. Es ist sowohl die Nachrüstung von Bestandsimmobilien als auch die Integration in Neubauten möglich. Zudem gibt es Lösungen für bestimmte Bereiche. Dies reicht von smarten Belüftungssystemen für Wohnräume bis hin zu Anlagen für Garagen. Zentrale Lüftungsanlagen sind vor allem für Neubauten gedacht. Sie belüften gezielt alle Räume, wobei die meisten Zimmer mit eigenen Zu- und Abluftkanälen ausgestattet werden. Sie besitzen ein zentrales Gerät, über das der Luftaustausch der gesamten Immobilie reguliert wird. Dezentrale Lüftungsanlagen hingegen sind kompakte Systeme, die lokal arbeiten und so nur einen Raum oder einen Bereich belüften. Diese Lösungen kommen oft bei Sanierungen und Nachrüstungen zum Einsatz.

Zusätzlich wird bei den Belüftungssystemen anhand der Funktionen unterschieden. Im Wesentlichen gibt es drei Arten von Systemen. Dies sind einfache Abluftanlagen, kombinierte Ab- und Zuluftanlagen sowie Belüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung. Reine Abluftanlagen transportieren nur verbrauchte Luft aus dem Haus heraus. Die Installation erfolgt üblicherweise in den Ablufträumen. Primär sind dies das Bad oder die Küche. Von dort wird die verbrauchte Luft gezielt aus dem Haus transportiert. Frischluft muss über andere Kanäle ins Haus geführt werden. Die kombinierten Ab- und Zuluftanlagen übernehmen hingegen beide Funktionen. Ventilatoren transportieren aktiv frische und verbrauchte Luft. Die smarten Belüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung sind die komplexesten Anlagen. In der Regel handelt es sich hier um zentrale Lüftungsanlagen. Die Wärmerückgewinnung ist eine der interessantesten Funktionen solcher Anlagen. Frisch- und Abluft durchlaufen hier getrennt einen Wärmetauscher mit Keramikwärmespeicher. So wird die Wärmeenergie der Abluft an die frische Zuluft übertragen. Auf diese Weise ist eine Wärmerückgewinnung in einem Bereich von bis zu 90 Prozent möglich.
Die Steuerung von smarten Belüftungssystemen
Alle smarten Systeme einen die besonderen Möglichkeiten für die Steuerung. Neben automatischen Funktionen bieten smarte Belüftungssysteme auch Optionen für die Programmierung. Die Lüftungssteuerung per App und Smartphone ist inzwischen bei vielen zentralen Belüftungssystemen möglich. Hier wird zwischen Systemen mit eigenen Steuerapps sowie Anlagen, die mit universeller Technik für den Aufbau eines Smarthomes kompatibel sind, unterschieden. In beiden Fällen lassen sich die Funktionen der Lüftungsanlage über das Smartphone steuern. Nutzer haben über Apps zudem die Möglichkeit zur Programmierung des smarten Belüftungssystems. Es lassen sich Zonen oder Zeitpläne anlegen. Dies gibt beispielsweise die Möglichkeit, das Schlafzimmer als Zone zu programmieren, die mehr Frischluft erhält.

Ein wichtiger Teil von smarten Belüftungssystemen sind Sensoren. Diese messen die Luftfeuchtigkeit im Raum und passen entsprechend der Messung die Lüftung an. Bei einer hohen Luftfeuchtigkeit wird so die Belüftung intensiviert oder in einen reinen Abluftmodus gestellt. Weitere Sensoren messen die Raum- und Außentemperatur und passen auch hier die Lüftung entsprechend an. An warmen Tagen wird die Belüftung minimiert, um zu verhindern, dass heiße und feuchte Luft ins Haus gelangt. Einige Systeme verfügen auch über Sensoren für Kohlenstoffdioxid. Misst das System erhöhte Werte, die beispielsweise von einem Kaminofen stammen können, wird die Belüftung verstärkt und das gefährliche Gas möglichst schnell abtransportiert. Auch einfachere Systeme für die Nachrüstung bieten Optionen für die Steuerung. Dezentrale Belüftungssysteme beispielsweise ermöglichen die Steuerung über einen Schalter. Dieser lässt sich wie ein Lichtschalter an einem beliebigen Punkt im Raum platzieren. Ebenfalls gibt es Lösungen mit kabelloser Steuerung über eine Funkfernbedienung. Solche Anlagen bieten sich bei der Nachrüstung an, besonders auch bei Garagen.
Die Vorteile eines smarten Belüftungssystems
Smarte Belüftungssysteme steigern zunächst den Wohnkomfort. In den Wohnbereichen lässt sich für ein gleichmäßiges und angenehmes Raumklima sorgen. Das alles funktioniert dank Sensoren und Programmierung automatisch. Eine konstante und kontrollierte Luftfeuchtigkeit wird als angenehm empfunden. Zudem verbessern intelligente Belüftungssysteme auch die Luftqualität in den Räumen. Gerade in modernen Häusern mit effizienter Dämmung wird der Luftaustausch deutlich gesteigert. Frische Luft verbessert das Wohlbefinden und schädliche Stoffe wie Kohlenmonoxid transportiert die Anlage aus dem Haus. Ein wichtiger Vorteil in Zeiten hoher Energiepreise sind die reduzierten Heizkosten. Die Wärmerückgewinnung aus der Abluft verhindert, dass Heizenergie auf diesem Weg verlorengeht. In Neubauten sind es bis zu 40 Prozent der Heizenergie, die ein Belüftungssystem mit Wärmerückgewinnung sparen kann. Bei Sanierungsobjekten hängt das Sparpotenzial von vielen Faktoren ab, wie etwa der Dämmung und den Fenstern. Eine Reduzierung der Heizkosten um bis zu zehn Prozent ist jedoch oftmals realistisch.

In Bereichen, in denen immer wieder hohe Feuchtigkeit auftritt, schützen smarte Lüftungssysteme die Bausubstanz. Dies trifft vor allem auf Badezimmer, Küchen und Garagen zu. Hier entsteht temporär eine hohe Luftfeuchte, beispielsweise nach dem Duschen oder wenn ein eingeschneites Fahrzeug in die Garage gefahren wird. Diese Bereiche sind deshalb oft von Schimmel bedroht. Gerade intelligente Belüftungssysteme mit Feuchtigkeitssensor sorgen hier für Abhilfe. Ein weiterer Vorteil von intelligenten Lüftungsanlagen ist der gesenkte Geräuschpegel, der von außen eindringt. Das klassische Lüften über die Fenster ist mit einer Belüftungsanlage kontraproduktiv. Somit gelangt auch kein Lärm mehr auf diesem Weg ins Gebäude. Intelligente Belüftungssysteme sind zudem mit Filtern ausgerüstet. Diese hindern Staub, Pollen und andere unerwünschte Partikel effektiv am Eindringen in das Haus.
Optionen für die Sanierung und Nachrüstung von Bestandsgebäuden
In den meisten Fällen ist in Bestandsgebäuden die Nachrüstung mit smarten Belüftungssystemen machbar. Gerade wenn eine energetische Sanierung stattfindet, ist es sinnvoll, zusätzlich an die Belüftung zu denken. Durch die Dämmung und die Erneuerung von Fenstern werden auch Altbauten luftdicht, was ein Lüftungskonzept erforderlich macht. Die Installation von dezentralen Lüftungsgeräten ist mit einer einfachen Kernbohrung oder über vorhandene Lüftungsschächte problemlos möglich. Auch ist die Installation in einer Fensterlaibung eine Option. Damit lassen sich lokale Lüftungssysteme in den wichtigsten Räumen realisieren. Auch zentrale Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung lassen sich in vielen Bestandsimmobilien installieren. Dies ist zwar mit etwas Aufwand verbunden, aber nicht unmöglich. Benötigt wird zum einen ein Aufstellort für die Wärmerückgewinnungsanlage. Hier sind verschiedene Orte geeignet, beispielsweise ein ungenutzter Bereich unter dem Dach. Zum anderen sind Lösungen für die Luftverteiler erforderlich. Diese führen in jeden Raum, der an das zentrale System angeschlossen wird. Durch die Verlegung der Luftschächte in einer abgehängten Decke oder im Fußbodenaufbau lassen sich diese Zuleitungen verstecken. Auf diesem Weg profitieren auch Bestandsbauten von den Vorteilen eines smarten Belüftungssystems.