Zum Inhalt springen Zum Navigationsmenü springen
31. August 2020  (aktualisiert am 25. September 2026)

Niedrigenergiehaus in Holzständerbauweise

von  textbroker | 6 Min. Lesezeit | #niedrigenergiehaus  #energie sparen  #holzständerbauweise  #energieinsparverordnung  #kfw 

Die Ständerbauweise ist als Weiterentwicklung des traditionellen Fachwerks das ideale Verfahren zur Herstellung von energieeffizienten Fertighäusern, findet aber auch bei Anbauten Verwendung.

Bereits mittelalterliche Baumeister haben es verstanden, Häuser auf exzellente Weise gegen Hitze und Kälte zu dämmen. Die Energieeffizienz mancher Fachwerkhäuser versetzt noch immer in Staunen. Um Gebäude schnell und witterungsunabhängig herstellen zu können, wurde die Fachwerkstechnik auf den Fertighausbau übertragen. Damit lassen sich ganze Wände mit allen Vorinstallationen darin binnen weniger Tage zu einem bewohnbaren Haus zusammenfügen. Allerdings lastet Fertighäusern noch immer der Ruf an, weniger haltbar und energieeffizient zu sein. Dass dies nicht den Tatsachen entspricht, haben moderne Fertighäuser mehrerer Hersteller unter Beweis gestellt.

Bemerkenswert: In Dokumenten von 1516 beschrieb Leonardo Da Vinci die Errichtung einer Siedlung, bei der lediglich die Fundamente am Bauplatz gefertigt werden sollten. Die einheitlich bemessenen Häuser sollten, seinen Plänen folgend, anschließend in Teilen dorthin transportiert und zusammengebaut werden.

Allgemeine Vorteile beim Holzrahmenbau

Der Holzrahmenbau ist dem herkömmlichen Festbau aus Stein oder Beton in Sachen Effizienz und damit auch bei den Kosten oft überlegen.

  • Die Wände oder Wandsegmente werden in einer Montagehalle vorgefertigt, sodass keine witterungsbedingten Arbeitsunterbrechungen oder Schäden am Rohbau entstehen können.
  • Insgesamt muss wesentlich weniger Gewicht an Baumaterial für eine Wand nach Holzständerbauweise bewegt werden, was die Arbeit erleichtert und beschleunigt.
  • Werden bei der architektonischen Planung von Wänden im Holzrahmenbau die Maße der zu verwendenden Platten berücksichtigt, fällt kaum Verschnitt an, womit kein nennenswerter Verlust von Baumaterial entsteht.
  • In der Folge fallen nur geringe Mengen an Verschnitt an, wodurch auch der Aufwand für die fachgerechte Entsorgung von Bauschutt reduziert werden kann.
  • Die Transportkosten sind im Vergleich zur herkömmlichen Festbauweise deutlich geringer. Das zu Herstellung der Wände benötigte Material wird in großen Chargen angeliefert. Das fertige Haus gelangt in Bauteilen mit zwei oder drei Lkw-Ladungen zum Bauplatz.
  • Der Einsatz von Großmaschinen ist reduziert, was sich wiederum in den Kosten günstig bemerkbar macht. Lediglich für das Fundament werden Betonmischer eingesetzt. Ein Autokran positioniert in ein bis drei Arbeitstagen alle Wände und das Dach an den dafür vorgesehenen Stellen.
  • Der Zeitaufwand beim Innenausbau für die Installation von Strom, Internet, Telefon, TV, Heizkreis, Zu- und Abwasser ist erheblich geringer. Alle notwendigen Leitungen gemäß Bauplan werden im Holzrahmenbau bereits bei der Herstellung der Wände verlegt, inklusive der Montage von Steckdosen oder Sperrventilen.

Verwendete Materialien für ein Fertighaus als Ständerbau

Generell wird beim Holzrahmenbau sehr gut und sorgsam abgelagertes Holz für das Ständerwerk eingesetzt. Dies hat mehrere Gründe. Erstens arbeitet abgelagertes Holz deutlich weniger. Zweitens ist es notwendig, Holz mit einer Restfeuchte von maximal 18 Prozent zu verwenden. Bei derart trockenem Holz kann sich im Inneren der Wand kein Schimmelpilz bilden. Zugleich ist das Holz auf natürliche Weise vor Schädlingsbefall geschützt. Bei einer Restfeuchte von 18 Prozent und darunter werden im Holz Eiweißmoleküle zerstört. Somit ist Fraßfeinden die Nahrungsgrundlage entzogen, weshalb sich Holzwürmer oder Termiten nicht im Ständerwerk einnisten.

Außenplattierung

Für den der Witterung ausgesetzten Außenbereich werden Verbundplatten verwendet, bevorzugt die sogenannten OSB-Platten, das Oriented Strand Board. Diese Plattierung ist einfach zu verarbeiten, haltbar und kann sehr gut gegen alle Witterungseinflüsse geschützt werden.

ein Stapel OSB-Platten

Innenplattierung

Auf der Innenseite wird im Normalfall Gipskarton verwendet, auch als Rigips-Platten bekannt. Diese unterscheiden sich grob in zwei Qualitäten. Ist der beschichtende Karton grün eingefärbt, wurde diese Rigipsplatte kernimprägniert. Deshalb sind die grünen Gipskartonplatten für den Innenausbau in Feuchträumen wie Bädern oder in der Küche besonders geeignet. Je nach Zimmer und Bauweise der Fertighauswand kann zusätzlich eine Dampfsperre in Form einer PVC-Folie aufgebracht werden.

Installationen

Alle stromführenden Leitungen werden in schwer entflammbaren Kabelkanälen oder Kabelschächten verlegt. Wasserleitungen und die Leitungen des Heizkreises werden mit einem Dämmstoff umwickelt oder eingeschäumt.

Dämmung

Als Dämmmaterial wird zumeist Zellulose verwendet. Abhängig vom Hersteller und dem Wunsch des Bauherrn sind aber auch Glaswolle, Holzwolle und andere Dämmstoffe möglich.

Niedrigenergiehaus im Holzständerverfahren

Wird beim Bau im Holzständerverfahren Wert auf ein ökologisches Niedrigenergiehaus gelegt, sind nur wenige Änderungen notwendig. Generell sind Bauten mit Ständerwerk sehr gut gedämmt. Holz und Gipskarton leiten Wärme messbar schlechter, als es bei Beton oder Stein der Fall ist. Allerdings zeigen einige der üblicherweise verwendeten Dämmstoffe eine weniger gute Energiebilanz auf. Alternativ bietet sich Hanf an, was sehr gute Dämmwerte besitzt und zudem haltbar ist. Auch die Ausführung im Stil eines Fachwerkhauses ist möglich. Allerdings nur bei einer vor Ort gefertigten Holzständerwand, denn diese wird um ein Vielfaches schwerer. Bei diesem Verfahren wird das Ständerwerk konstruiert, was von außen plattiert wird. Anschließend werden alle Installationsleitungen verlegt. Nun wird der verbleibende Hohlraum mit einer feuchten Mischung aus Stroh und Zement ausgestopft, so wie beim traditionellen Fachwerk. Darüber kommt ein dünnmaschiges Netz und schlussendlich werden innen die Gipskartonplatten montiert.

Dabei müssen nicht unbedingt Stroh oder Hanf als natürliche Dämmstoffe verbaut werden. In Asien werden alternativ genutzt:

  • Reisstroh
  • die Spreu vom Reiskorn
  • Sägemehl
  • Holzraspeln
  • Kokosfasern der äußeren Schale der Kokosnuss
  • gehäckselte dünne Äste vom Bambus
ein Haufen Reisstroh auf einem Reisstrohfeld
Reisstroh
Kokosfaser Nahaufnahme
Kokosfaser
Sägemehl
Sägemehl

Es ist gut vorstellbar, dass Schilf oder Reet ähnlich gut einsetzbar sind, haben doch beide Materialien beim Decken von Hausdächern bereits exzellente Dämmeigenschaften bewiesen.

Anbau mit Ständerwerk und nachwachsenden Rohstoffen errichten

Der Einsatz derartiger Materialien bietet sich insbesondere dann an, wenn das Ständerwerk aus Holz vor Ort konstruiert wird, beispielsweise bei einem Anbau. Werden nachwachsende Rohstoffe wie Hanf oder Stroh in gehäckselter Form mit Wasser und Zement vermischt, bildet sich ein grober Brei. Werden damit die Zwischenräume im Ständerwerk ausgefüllt, verleiht dies dem Bauwerk mehr Stabilität, sobald das Füllmaterial ausgetrocknet ist. Überdies sind die Wärmedämmwerte hervorragend, genau wie die Schalldämmung, die ja bekanntlich bei einigen Fertighäusern verbesserungswürdig ist.

Die Holzständerbauweise und die EnEV

Die strengen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes, kurz GEG, erfordern umfangreiche Dämmungen bei Wohngebäuden. Durch die verwendeten Materialien Holz, Gips sowie die eingebrachte Dämmung und durch die mehrschichtige Bauweise, übererfüllen Fertighäuser mit Holzständerwerk diese Vorgaben zumeist deutlich.

KfW-Förderung für Fertighäuser und Anbauten beim Holzständerbau

Für Neubauten und Sanierungsmaßnahmen können abhängig vom jeweiligen Förderprogramm Fördermöglichkeiten der KfW bestehen. Entscheidend sind die konkreten technischen und förderrechtlichen Anforderungen des jeweiligen Programms. Ob ein Fertighaus oder Anbau in Holzständerbauweise förderfähig ist, muss daher für das jeweilige Bauvorhaben geprüft werden.

firmenlogo textbroker

textbroker

Bekannt als führende Content-Plattform stellt Textbroker verschiedenste hochwertige Texte aus einer großen Auswahl von nationalen und internationalen Fachautoren zusammen und bereitet diese maßgeschneidert für Handwerker und Brancheninteressierte auf.

Artikel teilen

Das könnte Sie auch interessieren

3. August 2026
von hagebau Redaktion | 8 Min. Lesezeit

Extremes Wetter ist hierzulande immer häufiger ein Thema. Unerwartet schwere Schneefälle, heftige Stürme, immer längere Dürreperioden, neue Hitzerekorde, schwere Hagelschauer sowie Überschwemmungen und Starkregen-Ereignisse nehmen gefühlt von Jahr zu Jahr zu.

30. Juli 2026
von hagebau Redaktion | 7 Min. Lesezeit

Der Vorsteuerabzug ist für umsatzsteuerpflichtige Unternehmen ein wichtiger Punkt, weil sich dadurch die gezahlte Mehrwertsteuer zurückholen lässt. Bisher galten dafür klare und einheitliche Regeln.

25. Juli 2026
von hagebau Redaktion | 6 Min. Lesezeit

Der barrierefreie Umbau von Bestandsimmobilien steht mit zunehmendem Alter bei vielen Hausbesitzern an. Von der ebenerdigen Dusche bis zum Treppenaufzug gibt es zahlreiche Maßnahmen, die das Leben im eigenen Zuhause erleichtern.

Leider konnten keine Produkte gefunden werden
Das gewünschte Variantenprodukt befindet sich bereits in der Liste. Die zuvor gewählte Variante wurde aus der Liste entfernt.
Geben Sie hier Ihren Suchbegriff bzw. die Artikelnummer ein und wählen Sie die richtige Position aus der Vorschlagsliste aus. Nun können Sie die gewünschte Anzahl zum Warenkorb hinzufügen.
Tragen Sie hier bitte Ihre Bestellung ein