Wo gehobelt wird, fallen Späne, sagt schon ein bekanntes Sprichwort. Lärm auf Baustellen fällt definitiv in diese Kategorie und wird oftmals als gegeben hingenommen. Dabei hat Baulärm eine Reihe von negativen Auswirkungen, die teilweise sogar versteckt und unerkannt sind. Aus diesem Grund sollten Handwerker und Bauunternehmen Lärm nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich mit dem Thema beschäftigen.
Was ist die Definition von Lärm, und welche Stufen gibt es bei der Lärmbelastung?

Dann lassen sich unterschiedliche Arten von Lärm definieren, wobei die akustischen Eigenschaften der Geräuschquelle relevant sind. Tieffrequenter Lärm geht beispielsweise meist von großen Baumaschinen aus.
| Lärmart | Frequenzbereich | Typische Quellen | Wahrnehmung |
|---|---|---|---|
| Tieffrequenter Lärm | unter 100 Hz | große Baumaschinen | tiefes Brummen |
| Hochfrequenter Baulärm | über 8 kHz | Kreissägen, Pressluftwerkzeuge, Schleifmaschinen | kreischende, hohe Töne |
Das Bundesumweltministerium teilt Lärm in verschiedene Kategorien ein. Grundsätzlich spricht das Ministerium immer dann von Lärm, wenn die Geräusche wahrnehmbar und störend sind.
| Schalldruck | Einordnung |
|---|---|
| ab 25 dB | wahrnehmbar und störend, kann Konzentration und Schlaf beeinträchtigen |
| über 65 dB | Gesundheitsrisiko |
| über 80 dB | Gehörschutz muss bereitgestellt werden |
| über 85 dB | Gehörschutz ist Pflicht, potenzielle Gehörschäden möglich |
Die allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm legt zudem Immissionsrichtwerte fest. Diese stufen spezifisch den Baulärm ein und machen hinsichtlich der Umgebung Unterschiede, in der sich die Baustelle befindet.
| Umgebung | Tag, 7–20 Uhr | Nacht |
|---|---|---|
| Reines Wohngebiet | 50 dB | 35 dB |
| Gewerbe-/Industriegebiet | 70 dB | bis 50 dB |
Überschreitet der Baulärm den jeweiligen Immissionsrichtwert, dann müssen die zuständigen Unternehmen laut Vorschrift Maßnahmen zur Minderung des Baulärms einleiten.
Welche Auswirkungen hat Baulärm auf Menschen?

Mittlerweile stehen rund 20.000 Verdachtsfälle von Hörschäden pro Jahr im Zusammenhang mit Lärmbelastung am Arbeitsplatz. Deutlich häufiger und auch früher zeigen sich Hörschäden wie ein Tinnitus. Viele akzeptieren oder ignorieren einen Tinnitus, obwohl er häufig durch eine permanente Lärmbelastung auf der Arbeit ausgelöst wird.
| Stufe | Maßnahme | Ziel | Beispiel |
|---|---|---|---|
| T | Technisch | Lärm direkt an der Quelle reduzieren | geräuschärmere Maschinen |
| O | Organisatorisch | Lärmexposition verringern | Maschinen räumlich trennen oder isolieren |
| P | Persönlich | Mitarbeitende individuell schützen | Gehörschutz, Otoplastiken |
Die ersten Maßnahmen sollten also immer technischer Natur sein. Es ist darauf zu achten, dass Lärm durch Maschinen und Werkzeuge direkt bei der Entstehung minimiert wird. Dies lässt sich zum Beispiel durch den Einsatz von geräuschärmeren Modellen erzielen. So ist ein Fokus auf leisere Maschinen bei der Beschaffung ein wirksames Mittel, um die Lärmbelastung auf Baustellen und in Werkstätten zu senken.

Als weitere Option stehen persönliche Schutzmaßnahmen zur Verfügung. Dies ist in erster Linie der Einsatz von Gehörschutz. Pegelabhängiger Gehörschutz und individuell gefertigte Otoplastiken bieten den besten Schutz.
- Ab 80 dB sind Unternehmen verpflichtet, den Mitarbeitenden einen geeigneten Gehörschutz bereitzustellen
- Ab 85 dB ist das Tragen von Gehörschutz Pflicht.
Was müssen Unternehmen noch zum Thema Baulärm wissen und beachten?
Unternehmen stehen in der Verantwortung, die eigenen Mitarbeitenden, Mitmenschen und die Umgebung sowie die Umwelt vor unnötigen Lärmbelästigungen zu schützen. Das gilt für kleine Handwerksbetriebe ebenso wie für große Bauunternehmen mit Hunderten von Mitarbeitenden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Lärm nicht nur die eigenen Mitarbeitenden betrifft, sondern auch Anlieger und Tiere. Deshalb sollten Unternehmen Maßnahmen immer mit dem Fokus auf das Gesamtbild treffen.
Für Betriebe und Handwerksunternehmen sind die Arbeitsschutzprämien der Berufsgenossenschaft interessant. Die BG Bau unterstützt die Anschaffung von individuellem Gehörschutz wie Otoplastiken mit Prämien von bis zu 50 Prozent der Kosten. Auch die Beschaffung von vibrationsarmen Maschinen und ähnliche Investitionen in Lärmschutzmaßnahmen fördert die Berufsgenossenschaft mit Prämien. Rechnungen für Investitionen können bis zu 365 Tage nach der Anschaffung bei der Berufsgenossenschaft eingereicht werden.